Erinnern Sie sich noch? An den Abend, an dem der Aufsatz fertig geschrieben musste, der am nächsten Morgen dem Deutschlehrer übergeben werden musste. Ihnen wollte einfach nichts einfallen und wohlmöglich stand der strenge Herr Gevatter noch hinter Ihnen, der drohend kontrollierte, ob der Sohnemann auch mit Fleiß und Ehrgeiz seine Hausaufgaben machte.
Oder später in der Universität, wenn sich nach monatelangem Müßiggang die Semesterferien zu Ende neigten und der Hausarbeit (über kolumbianische Kürbiskalebassen, über die Finanzpolitik der CDU von 1970 bis 1971 oder das literarische Selbst in der Spätromantik) noch entscheidende drei Seiten fehlten, um die vorgeschriebenen 20 Blätter zu füllen. Standen Ihnen da nicht auch die Schweißperlen auf der Stirn, hervorgerufen durch ein Gefühl aus Angst und schlechtem Gewissen?
Was lag da näher als sich der Ideen anderer zu bedienen, um das eigene Soll zu erfüllen? Schließlich waren Sie fremdgesteuert durch Ihr Unterbewusstsein: „Das Ding muss fertig werden.“ Diente es doch dem Urtrieb des Menschen, der sich durch den Erfolg mit Titeln schmücken darf, die letztendlich die eigene Attraktivität steigern und so das Fortpflanzen, Anpassen und Überleben sichern.
So ging es auch dem kleinen Karl-Theodor zu Guttenberg. Nächtelang saß er über seiner Doktorarbeit, den Zeitdruck und die Bürde des Familiennamens im Nacken. Was hätte er anderes tun können? Sich dem Schicksal ergeben? Sich wie Hölderlin in einen dunklen Turm zurückziehen, wenn die Worte nicht kommen wollten, dem eigenen Wahnsinn hilflos ausgeliefert?
Nein, nicht unser Karl-Theodor. Das hätte nicht zu ihm gepasst. In seinem Kampf um den Titel, beziehungsweise ums Überleben, ging er neue Wege und bediente sich moderner Mittel und Methoden. Er entdeckte Copy & Paste und machte sie sich zu guten Freunden. So erreichte er schließlich sein Ziel, machte Karriere, heiratete, passte sich an, überlebte. Und dafür soll er nun gerügt werden?